Trachtenausstellung historischer Trachten

Fotos:

7013: Alte Herrschaftliche Tracht mit Bandlhut aus Stroh

7014: Das Beurer Gwand mit Originalschirm des Hutmachers Johann Nepomuk Schenk

7020: Das Beurer Gwand aus dem Jahr 1840 mit originalen Hüten von Johann Nepomuk Schenk

 

„So schee kons Gwand sei!“

Unter dem Motto„so schee kons Gwand sei“ richtet der Trachtenverein Edelweiß Neubeuern e.V., ältester Trachtenverein im Inngau, das „Treffen der Historischen Trachten zu Altbayern“ in der Marktgemeinde Neubeuern aus. Die Auftaktveranstaltung zu den Festtagen leitete die Trachten- und Gwandausstellung ein, die im Haus der Vereine in Neubeuern, unter Schirmherrschaft von Walter Schatt, eröffnet wurde. 1. Vorsitzende, Andreas Artmann hieß unter den geladen Gästen Hildegard und Otto Dufter, Vorsitzender der vereinigten bayerischen Trachtenverbände, herzlich willkommen und dankte für die fachliche Unterstützung während der Ausstellungsvorbereitung.

Der Trachtenverein Edelweiß e.V. lädt bis zum 16. Mai in seine gute Stube, die das überlieferte Kulturgut aus 180 Jahren präsentiert. Josef Engelberger, Leiter der Gruppe Beurer Gwand,  betonte in seiner Eröffnungsrede die Einzigartigkeit dieser Zurschaustellung im Landkreis und in ganz Oberbayern aufgrund der Ausschließlichkeit örtlich gesammelter Exponate. Im Blickpunkt steht die Historische Gewandung mit all ihren charakteristischen Accessoires. „Bereits 1911 erhielt das Beurer Gwand zum ersten Trachten-Gaufest in Neubeuern von Schlossherrin Julie Freifrau von Wendelstadt einen Ehrenpreis in Form einer Scheibe, auf der die alte Tracht abgebildet ist“, verkündete Englberger.

Von einer langen Kultur- und Brauchtumsgeschichte erzählt das antiquierte Beurer Gwand, mit dem sich die bessere Gesellschaft Neubeuerns zu feierlichen Anlässen herausputzte und  mit Stolz und Würde trug. Dies liegt jetzt über 200 Jahre in der Ortschronik zurück und beschreibt die guade Zeit, in der die Innschifffahrt für reichlich Einkommen sorgte. Als vor ca. 100 Jahren bei den oberbayerischen Trachtlern die Gebirgstracht modern wurde, geriet das festliche Beurer Gwand in Vergessenheit. 1980 erfuhr es seine Wiederbelebung durch den Trachtenverein Edelweiß Neubeuern, der anhand wertvoller Sammelstücke des Malers Eduard Schwirtlich und alter Vorlagen die Tracht rekonstruierte und in seiner Originalität in Schnitt und Form, seiner Vielfalt und Lebendigkeit in das aktive Vereinsleben integrierte. Eine Gruppe von derzeit 170 Mitgliedern trägt diese bodenständische Ortstracht zu Ehren unserer Vorfahren und als Zeichen der Heimatverbundenheit, Tradition und Gemeinschaft.

Die Biedermeierzeit ab 1815, die Ära der Gebirgstracht wird in den Schauräumen wieder präsent, bis hin zur heute getragenen Miesbacher Tracht. 49 authentisch gewandete Puppen und 290 Einzelteile bringen uns das vergangene dörfliche Leben näher. Das museale Archiv birgt neben dem alten Beurer Gwang ganz persönlich gehütete Schätze, wie vier originale Hüte des Hutmachers Johann Nepomuk Schenk (1819-1884); ein Ranzen von 1820; eine Fuhrmannskette mit Taschenuhr aus dem Jahr 1830; ein ehrwürdiges Schulzeugnis mit Ausstellungsdatum 1840; Hutschachteln gepolstert mit Zeitungen von 1889; ein handgeschriebenes Gebetbuch von 1853 und viele einmalige Fundstücke, die das Gespür unserer Ahnen für Schönheit und kreative Gestaltung mit Liebe zum Detail und handwerklichem Geschick vereinen. „Die Tracht soll und darf nicht modischen Einflüssen unterliegen, der ursprüngliche Charakter muss gewahrt werden“, betonte Englberger,„in unserem Verein sind beide Trachten erhalten geblieben und nehmen einen hohen Stellenwert in unserer dörflichen Gesellschaft ein. Sie spiegeln unsere tiefe Verwurzelung und Wertschätzung wider“.

Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 11.00 Uhr – 18.00 Uhr und auf Anfrage.

Weitere Höhepunkte sind das 15. Treffen der historischen Trachten von Altbayern am 09. Mai 2010, sowie der Trachtenmarkt am 15. und 16. Mai 2010. Beide Veranstaltungen finden auf dem historischen Marktplatz von Neubeuern statt.

Text/Fotos: Petra Reischl-Zehentbauer